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Reiseberichte

Boarding for Nepal

Maike Tornquist über ein Land ohne Maske

„Ladies and Gentlemen, fasten your seat belts, put your seats in an upright position“ – wir heben ab nach Nepal!“ Knapp 13 Stunden Flug liegen vor uns. Zeit genug, um im Kopf mal kurz die Schubladen zu sortieren. Was kommt Ihnen bei Nepal sofort in den Sinn? Sicherlich der Mount Everest. Klar. Wandern, Bergsteigen, Yaks. Vielleicht noch die bunten Gebetsfahnen, die im Wind flattern und die Wahrnehmung als der kleine, unscheinbare Nachbar zwischen den Giganten Indien und China. Nepal wirkt auf der Weltkarte oft wie der stille Gast auf einer Party, den man leicht übersieht aber niemals unterschätzen sollte.

Nepal

Ein Land ohne Maske und eines gewaltigen Herzens

Aber lassen Sie all das mal für einen Moment im Handgepäck. Ich habe mich für Sie auf die Reise gemacht, weil ich ein Herz für das weniger Bekannte habe – für die Orte, die nicht laut „Hier!“ schreien, sondern die man erst entdecken muss. Eines vorweg: Nepal beginnt direkt mit einem dicken, fetten Ausrufezeichen und BÄM: dann kommt das Himalayagebirge! Wer diese unfassbar gewaltigen Riesen im Vorgarten hat, muss sich als Land nicht größer, wichtiger oder glitzernder hinstellen, als es ist. Wenn zwei Worte dieses völlig unterschätzte Land beschreiben, dann: authentisch und geerdet. Hier gibt es kein „Chi-Chi“ und kein „Möchtegern“. Wer acht der vierzehn Achttausender auf seinem Boden weiß, hat per se schon ein Statement gesetzt, das keiner weiteren Show bedarf. Von diesen Bergen umgeben zu sein, hat etwas mit mir gemacht – es ist eine Mischung aus tiefer Demut, purer Begeisterung und echtem Berührt-sein.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit..

Bevor wir in die Details der Regionen eintauchen, müssen wir über das Gepäck und vor allem über das „Wann“ sprechen. Die ideale Reisezeit für dieses Abenteuer liegt zwischen März und Ende April oder von Oktober bis Januar. Ich war im Frühjahr dort – eine fantastische Zeit, da die Natur erwacht, auch wenn man im Mai mit extremer Hitze und Feuchtigkeit rechnen muss, bevor die Regenzeit im Juni den Dschungel fest im Griff hat. Vergessen Sie für Ihre Planung die klassische Abendgarderobe – in Nepal definiert sich Luxus anders. Damit Sie zwischen 2.800 Metern Höhe und dem feuchtheißen Dschungel nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden, hier meine ganz persönliche „Must-Have-Liste“:

  • Zwiebel-Look ist Pflicht: In Nepal durchlaufen Sie an einem Tag gefühlt vier Jahreszeiten. Morgens in Mustang sind es eiskalte 5°C, mittags brennt die Sonne.
  • Die „Warme-Jacke-Garantie“: Selbst wenn Sie „nur“ den Mountain Flight entlang des Himalaya machen: Nehmen Sie eine dicke Jacke mit in die Kabine. Die Flieger sind kühlschrankkalt, aber der Ausblick auf den Everest lässt Sie das Zittern fast vergessen. Also Jacke mit in den Flieger nehmen – es wird kalt!
  • Gute Wanderschuhe: Auch wenn Sie kein Profi-Alpinist sind – die Wege zu den 600 Jahre alten Klöstern oder durch die Bergdörfer fordern festen Grip.
  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor: Die Strahlung in der Höhe ist gnadenlos, ehrlich.
  • Fernglas: Für die 12 Panzernashörner in Chitwan (ja, Sie haben richtig gelesen, 12!) ist das Gold wert.
  • Ein offener Geist statt Maske: Nepal begegnet Ihnen mit einer unglaublichen Bodenständigkeit, und darauf sollte man vorbereitet sein.
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Ankunft in Kathmandu

Weltkulturerbe zum Anfassen

Und ich sage es Ihnen ganz offen: Wer hier das typische asiatische Chaos erwartet, wird überrascht. Kathmandu ist quirlig, ja, aber es wirkt erstaunlich organisiert und – man glaubt es kaum – sauber. Überall blitzen UNESCO-Weltkulturerbestätten hervor, von denen ich vorher ehrlich gesagt kaum etwas wusste. Die Stadt hat eine Energie, die einen sofort packt, ohne einen zu erdrücken. Mein persönliches Refugium habe ich im Hotel Dwarika’s gefunden. Normalerweise ist dieser schwere Heritage-Style mit viel dunklem Holz nicht unbedingt mein Fall, aber hier? Hier gehört es einfach hin. Das Dwarika’s ist Kathmandu. Die Lage ist ein Traum: Nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt und fast in Sichtweite der berühmten Boudha Stupa. Wenn Sie dort sind, fragen Sie nach Ramesh – er ist mein Guide des Vertrauens. Und noch ein absolutes Highlight: Reservieren Sie sich unbedingt einen Tisch im hoteleigenen Restaurant Krishnarpan. Dort erwartet Sie hochklassige nepalesische Gourmetküche mit 6 bis 22 Gängen – ein besonderes kulinarisches Erlebnis. Das Dwarika’s erdet einen für das, was als Nächstes kommt. Denn von hier aus geht es dorthin, wo die Luft dünner und die Stille lauter wird.

Mustang

Das verbotene Königreich im Schatten der Riesen

Man muss verstehen, wo man hier eigentlich ist. Mustang liegt im Norden Nepals, tief eingebettet im Annapurna-Massiv. Und um direkt mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen: Nein, den Mount Everest finden Sie hier nicht – der thront weit weiter östlich. Aber glauben Sie mir, Sie werden ihn nicht vermissen. Wenn Sie hier auf 2.800 Metern stehen, blicken Sie direkt auf den schneebedeckten 7.000er Nilgiri, während Ihnen im Rücken der gewaltige Dhaulagiri mit seinen 8.167 Metern fast den Atem raubt. Diese Region war jahrhundertelang verschlossen, ein echtes „verbotenes Königreich“. Heute ist es dank Hotel-Pionieren möglich, diese karge, fast mondähnliche Hochwüste zu bereisen. Hier finden Sie sie noch: uralte Bergdörfer, 600 Jahre alte Klöster und stoische Yaks auf windgeformte Hängen. Es ist eine Welt, die nach eigenen Regeln spielt.

Ein kleiner Tipp von mir für Ihre Besuche in den Klöstern: Drehen Sie die Gebetsmühlen immer mit der rechten Hand und laufen Sie im Uhrzeigersinn um sie herum. Es sind diese kleinen Gesten des Respekts, die Ihnen hier alle Türen öffnen.

Inmitten dieser rauen Erhabenheit liegt das Shinta Mani Mustang. Hier definiert sich Luxus durch die pure Einzigartigkeit der Erlebnisse. Jedes Zimmer bekommt für die Ausflüge seinen eigenen Guide an die Seite – egal ob Sie wandern, E-Biking ausprobieren oder alte Dörfer besuchen wollen. Mein Rat: Fragen Sie im Vorfeld nach Kushal, dem Headguide. Er achtet auch penibel darauf, dass Sie sich langsam an die Höhe gewöhnen. Nach einem Tag in der klaren Bergluft gibt es nichts Besseres als eine wohltuende Wellness-Massage oder eine Konsultation beim Amchi, einem traditionellen Heiler. Das Schöne an dem Konzept hier: Die Massagen und dieser spirituelle Besuch sind bereits inkludiert. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Hätte ich gekonnt, wäre ich gerne sieben Tage geblieben. Die Top Floor Suiten sind mein absoluter Favorit – von dort oben ist der Blick auf die Gipfel einfach ungestört. Mustang ist ein Ort, der einen leise, aber gewaltig verändert.

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Nächster Halt:

Der Dschungel von Chitwan

Nach der klaren Bergluft von Mustang und dem Heritage-Flair Kathmandus folgt ein atmosphärischer Wechsel: Die Tiefebene an der Grenze zu Indien. In der Region um den Chitwan Nationalpark ist es feucht, grün und archaisch. Wir haben in der Barahi Jungle Lodge eingecheckt – einer sehr charmanten Safarilodge direkt am Fluss. Erwarten Sie hier keinen 5-Sterne-Hochglanz-Luxus, die Zimmer sind komfortabel und rustikal, aber das Team ist so wahnsinnig herzlich, dass man sich sofort willkommen fühlt. In Chitwan geht es nicht um das Hotel, sondern um das pure Naturerlebnis. Und ich sage es Ihnen, wie es ist: Wer meinen Indien-Reisebericht gelesen hat, weiß – ich habe einfach kein Glück mit Tigern. Auch in Nepal blieben die gestreiften Majestäten unsichtbar, die Raubkatzen sind hier extrem scheu. Aber wissen Sie was? Das hat die Reise kein Stück geschmälert.

Wir hatten dafür eine Quote, die uns fast den Atem verschlug: 12 unterschiedliche Panzernashörner pro Pirschfahrt! Ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst – wo auf der Welt kann man so etwas heute noch erleben? Von Walking-Safaris würde ich Ihnen allerdings in Chitwan abraten. Der Dschungel ist hier so dicht bewachsen, dass man die Gefahr schlichtweg zu spät kommen sieht. Bleiben Sie lieber im Jeep und genießen Sie das Spektakel der Nashörner aus sicherer Distanz. Mein Fazit für Chitwan: Eine absolute Bereicherung der Reise. Ich würde das Barahi immer den großen Hotelketten vorziehen, weil hier die Guides außergewöhnlich sind und man das echte Nepal spürt.

Nepal hat uns völlig unvorbereitet erwischt – mit seinem ganz eigenen Charme, seiner absoluten Bodenständigkeit und Erlebnissen, die null auf Show ausgerichtet sind. Ein Land mit echter Offenheit, das einen leise, aber gewaltig verändert.

Und zum Schluss:

Wo sieht man ihn denn nun am besten, den Giganten?

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: "Schön und gut, Frau Tornquist – aber wo ist er denn nun, der Mount Everest?" Wie ich schon sagte: In Mustang werden Sie ihn vergeblich suchen. Wenn Sie dem höchsten Berg der Welt wirklich tief in die Augen schauen wollen, ohne selbst die Wanderschuhe für eine mehrwöchige Expedition zu schnüren, habe ich mich für den Mountain Flight ab Kathmandu entschieden.

Hinweis: Die nepalesischen Airlines werden auf der Sicherheitsliste der EU geführt. Das sollte man wissen und für sich persönlich einordnen – denn am Everest ist die Natur gewaltig und ein gewisser Abenteuergeist gehört bei so einer Reise einfach dazu. Sprechen Sie mich gerne darauf an. Ich teile meine Erfahrungen dazu offen mit Ihnen, damit wir gemeinsam entscheiden können, wie wir Ihr Nepal-Erlebnis gestalten.

Für etwa eine Stunde fliegen Sie entlang dieser weißen Wand aus Eis und Fels und treffen den Everest und seine 8.000er-Kollegen auf Augenhöhe. Bei diesem Flug ist jeder Platz ein Logenplatz, denn jeder Passagier bekommt garantiert einen Fensterplatz. Da die Maschine dreht und dieselbe Strecke zurückfliegt, ist es egal, ob Sie links oder rechts sitzen – Nepal serviert Ihnen den Everest so oder so auf dem Silbertablett. Mein Insider-Tipp für die perfekte Sicht: Versuchen Sie, nicht in den Sitzreihen 4 bis 10 zu landen, da diese direkt unter den Flügeln liegen und das Panorama einschränken. Und vergessen Sie nicht die Jacke im Handgepäck – in diesen kleinen Fliegern herrscht „Gletscher-Klima“, aber der Ausblick brennt sich warm in Ihr Herz ein.

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